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Peter Hein liest.

Ein punkiger Graz-Abend als Hommage an Xaõ Seffcheque.

Guest production

Peter Hein liest.
Ein punkiger Graz-Abend als Hommage an Xaõ Seffcheque.

Mit der Grrrls DJ Crew, Peter Glaser und Orhan Kipcak.

Moderation: Birgit Bachler, Künstlerin, Designerin, Forscherin

Idee: Martin Behr

Peter Hein ist eine Legende in der deutschsprachigen Pop/New Wave-Historie: Der heute 69-jährige Sänger und Texter der Düsseldorfer Band Fehlfarben schuf Werke wie „Monarchie und Alltag“, das nach Experten-Meinung als eines der wichtigsten deutschsprachigen Alben aller Zeiten gilt. Kurz nach Erscheinen des Albums verließ er die Fehlfarben, als Grund nannte er den Umstand, dass er bei seinem Arbeitgeber Rank Xerox nur drei Wochen Urlaub bekam, die Tournee aber fünf Wochen dauerte. Erst 1991 stieß er wieder zu den Fehlfarben. 2003 wurde Hein von Rank Xerox wegrationalisiert, zwei Jahre später zog er aus privaten Gründen nach Wien. Seine Zweitband heißt Family 5, diese Formation hat sich dem Soul-Punk verschrieben. Peter Hein lebt seit einiger Zeit in Wien, ist ebendort als Sänger der Band Peter Hein im Schallschatten, als DJ, Szene-Beobachter und lakonisch-wortgewaltiger Literat aktiv. Bei Lesungen rezitiert er meist aus seinem Buch „Geht so. Wegbeschreibungen“ (Lilienfeld Verlag). Keine Atempause, Geschichten werden erzählt. 2009 erschien im gleichen Verlag das Buch „Die Songtexte 1979-2009“. Peter Hein hat in seiner Rolle des Punk-Pioniers und ewiger Antiheld Popgeschichte geschrieben. „Ich konnte all die Jahre künstlerisch machen, was ich wollte – egal ob mit den Fehlfarben oder mit meiner anderen Band Family 5. Eine Karriere war das nicht. Heute ist die Kunst zumindest ein Eintrag in meiner Steuererklärung“, sagt er 2022 in einem „profil“-Interview.
 
Zu Heins frühen Weggefährten zählte der aus Graz stammende Musiker Xaõ Seffcheque. 1956 in Graz als Alexander Sevschek geboren, baute er Anfang der 1970er-Jahre im Grazer Forum Stadtpark den „Music Club“ auf. 1976 gründete er gemeinsam mit dem Herrn Lugus die nur für zwei Abende existierende Band Graz Elitär Music Factor. Die Besetzung: Frido Hütter (Orgel), Herr Lugus (Schlagzeug), Peter Pakesch (Gesang), Alfred Paul Schmidt (Bass) und eben Xaõ Seffcheque (Flöte). Im November 1977 übersiedelte er nach Düsseldorf, schloss sich der Musik-Performance-Gruppe Padlt Noidlt an, schrieb für das Musikmagazin „Sounds“, ab 1980 auch für „Spex“. Neben seiner eigenen Band Xao und die Pest hatte er gute Kontakte zu Charley’s Girls, aus denen später Mittagspause und Fehlfarben hervorgegangen sind. Mit dem ebenfalls aus Graz stammenden Autor Peter Glaser persiflierte er 1981 unter dem Konzeptnamen O.R.A.V.s (Ohne Rücksicht auf Verluste) Fehlfarben-Stücke. Zusammen mit Peter Hein gründete er 1981 Family 5. Xaõ Seffcheque schrieb später Drehbücher für Film und Fernsehen, 2023 starb er in Köln.

Für die erste Lesung von Peter Hein in Graz wurde als Ort das Forum Stadtpark ausgewählt, also jener Ort, an dem Xaõ Seffcheque seine ersten musikalischen Versuche unternommen hat. Für diesen besonderen Ort wird Hein „Bonustracks“, also auch gemeinsame Stücke und Projekte mit Seffcheque vortragen. Der Abend soll in weiterer Folge durch eine Diskussion mit Zeitzeugen die in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig bekannten Grazer Wurzeln von Xaõ Seffcheque freilegen und in dieses avantgardistische Klima eintauchen. Der Schriftsteller Peter Glaser (68) wird dafür aus seinem Wohnort Berlin zugeschaltet werden. Glaser hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, agierte als Chefredakteur der Zeitschrift „Die Datenschleuder“ des Chaos Computer Clubs. Die Kolumne Glasers heile Welt, veröffentlicht vn 1986 bis 1996 im Magazin „Tempo“ machte ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der Ingeborg-Bachmann-Preisträger beschreibt sich selbst so: „Peter Glaser, 1957 als Bleistift in Graz geboren, wo die hochwertigen Schriftsteller für den Export hergestellt werden. Lebt als Schreibprogramm in Berlin. Computerinteressiert. Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs.“

Ein weiterer Zeitzeuge ist der Autor, Mediendesigner und Hochschullehrer Orhan Kipcak. Sein 1989 gegründetes Atelier für digitale Medien (adm) hat zahlreiche Projekte unter anderem für die Kunstbiennale in Venedig, den steirischer herbst in Graz, das Museum für angewandte Kunst in Wien, die ars electronica, oder das ZKM in Karlsruhe realisiert. Der Künstler und Kurator arbeitet seit geraumer Zeit an einem Plotlexikon. Über die bislang erschienenen Publikationen befindet der Journalist und Autor Fritz Ostermayer: „...texte von bestürzender anmut, die sich durch zeichnerisches zutun von norbert gmeindl zu kleinen monumenten unzeitgemäßer barockheit fügen. und das in heftchenförmiger gestalt italienischer fumetti!"

Um eine Brücke zwischen den Generationen (auch auch zwischen den Geschlechtern) zu spannen, wird der Abend von der Grrrls DJ Crew ausbegleitet. Einige Mitglieder aus dem 2017 gegründeten, 15 Performerinnen umfassenden Kollektiv werden Einschlägiges, also Punk, auflegen und sinnlich wahrnehmbare Beispiele zu der zuvor diskutierten Materie präsentieren. Die Grrrls DJ Crew ist eine Reaktion auf die Unterrepräsentation von FINTA* DJs in der Grazer Clubszene und versteht sich als aktiver Beitrag zur gelebten Gleichberechtigung. Wie singen die „Goldenen Zitronen“? „Für immer Punk.“

Ein punkiger Graz-Abend als Hommage an Xaõ Seffcheque.